411.201
Liechtensteinisches Landesgesetzblatt
Jahrgang 2019 Nr. 137 ausgegeben am 6. Mai 2019
Verordnung
vom 16. April 2019
über die Abänderung der Schulorganisationsverordnung
Aufgrund von Art. 5 Abs. 3, Art. 7 Abs. 4, Art. 8, 11, 12, 13, 21, 23a Abs. 1, Art. 27 Abs. 2, Art. 38, 41 Abs. 2, Art. 45, 48 Abs. 2, Art. 51d Abs. 4, Art. 75 Abs. 2 und 3, Art. 91 Abs. 4 sowie Art. 102 Abs. 2, 4 und 5 des Schulgesetzes (SchulG) vom 15. Dezember 1971, LGBl. 1972 Nr. 7, in der geltenden Fassung, verordnet die Regierung:
I.
Abänderung bisherigen Rechts
Die Verordnung vom 6. Juli 2004 über die Organisation der öffentlichen Schulen (Schulorganisationsverordnung, SchulOV), LGBl. 2004 Nr. 154, in der geltenden Fassung, wird wie folgt abgeändert:
Ingress
Aufgrund von Art. 5 Abs. 3, Art. 7 Abs. 4, Art. 8, 11, 12, 13, 21, 23a Abs. 1, Art. 27 Abs. 2, Art. 38, 41 Abs. 2, Art. 45, 48 Abs. 2, Art. 51d Abs. 4, Art. 75 Abs. 2 und 3, Art. 91 Abs. 4 sowie Art. 102 Abs. 2, 4 und 5 des Schulgesetzes (SchulG) vom 15. Dezember 1971, LGBl. 1972 Nr. 7, in der geltenden Fassung, verordnet die Regierung:
Art. 1 Abs. 2a und 3 Bst. c bis
2a) Die Art. 13d und 13e gelten nur für den Kindergarten, die Primarschule sowie die Stufen 1 bis 4 der Sekundarschulen (ohne 4. Stufe des Gymnasiums).
3) Sie regelt:
cbis) den Lehrplan und die Lektionentafeln für die Schularten nach Abs. 2a;
Art. 2
Begriffe und Bezeichnungen
1) Im Sinne dieser Verordnung gelten als "Eltern" alle zur Erziehung berechtigten Personen.
2) Unter den in dieser Verordnung verwendeten Personen-, Berufs- und Funktionsbezeichnungen sind Angehörige des weiblichen und männlichen Geschlechts zu verstehen.
Art. 6a Abs. 2 und 3
2) Lehrerstellen werden unabhängig von den Klassenbeständen festgelegt zur Durchführung:
a) von Angeboten der Schule auf der 4. Stufe der Ober- und Realschule;
b) des Fachbereichs Gestalten;
c) des Faches Wirtschaft, Arbeit, Haushalt;
d) der Grundschulung im Fach Musik im Kindergarten und auf den ersten beiden Stufen der Primarschule; und
e) von besonderen schulischen Massnahmen und Massnahmen der Begabtenförderung.
3) Die Lehrerstellen nach Abs. 2 sind unter Angabe der Stellenprozente im Rahmen des Voranschlags so festzulegen, dass die Zwecke der Angebote und Massnahmen erreicht werden können. Das Schulamt kann das Nähere in Richtlinien festlegen.
Art. 8 Abs. 2 und 3
2) Die Mittagspause dauert mindestens 75 Minuten. An Schulen mit Mittagsverpflegung kann die Pause zugunsten von Wahlfächern bis auf 40 Minuten verkürzt werden.
3) Während der Mittagspause ist Pflicht- oder Wahlpflichtunterricht untersagt. Ausgenommen hievon ist das Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt, sofern das Mittagessen während des Unterrichtes eingenommen wird.
Art. 10a
Pflicht-, Wahlpflicht- und Wahlunterricht
1) Es wird unterschieden zwischen:
a) Pflichtunterricht;
b) Wahlpflichtunterricht;
c) Wahlunterricht.
2) Pflichtunterricht ist von allen Kindern zu besuchen. Beim Wahlpflichtunterricht müssen einzelne oder mehrere Teilbereiche aus einem vorgegebenen Angebot ausgewählt und besucht werden. Beim Wahlunterricht kann der Teilbereich frei gewählt werden.
3) Das Schulamt kann Richtlinien über den Umfang und Inhalt des Wahlunterrichts erlassen.
Art. 11 Abs. 2
2) Für den Pflicht- und Wahlpflichtunterricht gelten die folgenden Mindest- und Höchstlektionenzahlen je Schulwoche, -tag und -halbtag:
 
Kindergarten
Primarstufe
Sekundarstufe
je Unterrichtswoche
höchstens 28 Lektionen
höchstens 30 Lektionen
höchstens 38 Lektionen
je Schultag
mit der Primarschule zu koordinieren
4 bis 8 Lektionen
3 bis 9 Lektionen (ohne Wirtschaft, Arbeit, Haushalt)
je Schulvormittag
mit der Primarschule zu koordinieren
4 Lektionen im Block
2 bis 5 Lektionen
je Schulnachmittag
mit der Primarschule zu koordinieren
2 bis 4 Lektionen
2 bis 5 Lektionen
Überschrift vor Art. 13d
IVa. Lehrplan und Lektionentafeln
Art. 13d
Lehrplan
1) Der Lehrplan für die Schulen nach Art. 1 Abs. 2a wird von der Regierung nach Massgabe von Art. 8 des Schulgesetzes erlassen und auf der Internetseite des Schulamtes veröffentlicht.
2) Er legt die Ziele für den Unterricht verbindlich fest und ist ein verbindliches Planungsinstrument für Lehrpersonen, Schulen, Schulamt und Regierung.
3) Ausserdem orientiert er Eltern und Erziehungsberechtigte, Schüler und die Öffentlichkeit über die an den Schulen nach Art. 1 Abs. 2a zu erreichenden Kompetenzen.
Art. 13e
Lektionentafeln
1) Die Lektionentafeln für die Schulen nach Art. 1 Abs. 2a sind in den Anhängen 3 bis 6 aufgeführt.
2) In den Lektionentafeln wird jedem Fachbereich und Modul sowie gegebenenfalls jedem Fach eine bestimmte Anzahl Wochenlektionen zugeordnet.
3) Von den Lektionentafeln kann ausnahmsweise abgewichen werden:
a) aus didaktischen Gründen (z.B. für Projektunterricht), sofern Abweichungen bis zum Ende eines Schuljahres ausgeglichen werden;
b) aus organisatorischen Gründen in Klassen, welche mehrere Stufen der Primarschule und/oder des Kindergartens umfassen, sofern mit geeigneten Massnahmen dafür gesorgt wird, dass jedes Kind die im Lehrplan vorgegebenen Kompetenzen erlangen kann;
c) bei Sportklassen an Realschulen in den Fachbereichen Gestalten, Musik, Bewegung und Sport sowie in Teilbereichen ohne Promotionsnoten im Rahmen einer Reduktion von höchstens sieben Wochenlektionen.
4) Das Schulamt kann Richtlinien zur praktischen Anwendung der Lektionentafeln erlassen.
Art. 22 Abs. 1 bis 3
1) Der Schüler hat Anspruch auf einen nach Massgabe des Lehrplanes vorbereiteten sowie nach pädagogischen Kriterien gestalteten Unterricht.
2) Der Schüler hat Anspruch auf eine kompetenzorientierte, sachgerechte und nachvollziehbare Beurteilung.
3) Die Rechte des Schülers dürfen nur insoweit eingeschränkt werden, als es für die Erlangung der in den Lehrplänen umschriebenen Ziele und Kompetenzen erforderlich ist. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die persönliche Integrität des Schülers und in Bezug auf sein Recht, im vorgegebenen schulischen Rahmen die Meinung frei äussern zu dürfen.
Art. 26 Abs. 2, 3 Einleitungssatz sowie Abs. 4
2) Später eintretende Schüler sind vorbehaltlich Abs. 3, 3a und 4 vorerst für 20 Unterrichtswochen provisorisch aufzunehmen. Erfüllen sie in dieser Zeit die Lernziele oder Promotionsbedingungen der betreffenden Schulart und -stufe, so gelten sie als definitiv aufgenommen, andernfalls werden sie auf Antrag der Schulleitung vom Schulamt in eine dem Schüler angepasste Schulart und/oder Schulstufe zugewiesen.
3) In das Gymnasium und in die Realschule dürfen vorbehaltlich Abs. 3a und 4 nur Schüler aufgenommen werden, die:
4) In Sportklassen dürfen ausserdem nur Schüler aufgenommen werden, die:
a) die sportspezifischen Aufnahmebedingungen nach Art. 8a der Verordnung über die Aufnahme in die sowie die Promotion und den Übertritt auf der Sekundarstufe I erfüllen; oder
b) ein anderes vom Schulamt als gleichwertig beurteiltes sportspezifisches Aufnahmeverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Als gleichwertig gelten insbesondere sportspezifische Aufnahmeverfahren von ausländischen Staaten mit vergleichbaren Sportförderkonzepten.
Anhang 1
Der bisherige Anhang 1 wird durch nachfolgenden Anhang 1 ersetzt:
Anhang 1
(Art. 6 Abs. 1)
Richtzahlen (RZ) für Klassenbestände
 
Klassenbestand
 
untere RZ
obere RZ
Schulart
   
Kindergarten
10
20
schulartenübergreifende Klassen des Kindergartens und der Primarschule
12
24
Primarschule
12
24
Oberschule
8
16
Realschule
12
24
Gymnasium
12
24
Sportklasse auf der 1. Stufe der Sekundarschule
12
16
Sportklasse auf der 2. bis 4. Stufe der Sekundarschule
12
19
Sportklasse auf der gymnasialen Oberstufe
12
24
Teilbereiche (Pflichtunterricht)
   
Sport auf der 1. bis 4. Stufe der Sekundarschule
10
20
Natur und Technik
-
20
Praktische Übungen in Biologie, Chemie, Physik und Kunsterziehung auf der gymnasialen Oberstufe
-
16
Wahlpflicht- und Wahlbereiche
   
Sport
10
-
Musisch-kulturelle Projekte und Angebote der Schule
8a)
-
Ethik und Religionen; Konfessioneller Religionsunterricht
8b)
-
Übrige Wahlpflichtfächer und -kurse
8
-
Übrige Wahlfächer
10c)
-
Legende
a) Zur Einrichtung oder Aufrechterhaltung von Blockzeiten können Ausnahmen gemacht werden.
b) Wird eine Doppellektion halbiert, kann der Minimalwert um zwei Schüler unterschritten werden.
c) Auf der gymnasialen Oberstufe können für die Vorbereitung auf internationale Wissenschaftswettbewerbe und für das Kleine Latinum Ausnahmen gemacht werden.
Anhänge 3 bis 6
Es werden die folgenden Anhänge 3 bis 6 eingefügt:
Anhang 3
(Art. 13e Abs. 1)
Lektionentafel für den Kindergarten (KG) und die Primarschule
Fachbereiche und Module
Fächer
KG
Primarschule
     
1
2
3
4
5
Sprachen
Deutsch
a)
6
5
5
5
5
 
Englisch
 
b)
2
2
2
2
Mathematik
Mathematik
a)
5
5
5
5
5
Natur, Mensch, Gesellschaft
Natur, Mensch, Gesellschaft
a)
4e)
4e)
5e)
6e)
6e)
 
Konfessioneller Religionsunterricht
 
1
2
2
2
2
Gestalten
Technisches Gestalten
           
 
Textiles Gestalten
a)
4
4
4
4
4
 
Bildnerisches Gestalten
           
Musik
Musik
a)
1c)
1c)
2
2
2
Bewegung und Sport
Bewegung und Sport
a)
3
3
3
3
3
Medien und Informatik
Medien und Informatik
a)
b)
b)
b)
1c)
1c)
Bildung für Nachhaltige Entwicklung
 
a)
b)
b)
b)
b)
b)
Projektunterricht
 
f)
f)
f)
f)
f)
f)
Schülerlektionenzahl pro Woche
 
23.3
24
26
28
30
30
Angebote der Schule
 
d)
d)
d)
d)
d)
d)
Legende:
a) Wird in den Unterricht integriert.
b) Wird in andere Fächer integriert.
c) Kompetenzen werden zusätzlich in andere Fächer integriert.
d) Wahlunterricht (z.B. Chorgesang, Schulorchester, Schultheater, Sport, Technikförderung, Frühförderung, Hausaufgabenhilfe), insbesondere auch im Zusammenhang mit Eingangs- und Blockzeiten; islamischer Religionsunterricht.
e) Zusätzlicher Unterricht für alle Schüler, welche den konfessionellen Religionsunterricht nicht besuchen.
f) Kompetenzen und Inhalte verschiedener Fächer können im Rahmen von Art. 13e Abs. 3 Bst. a in Projektunterricht zusammengeführt werden.
Anhang 4
(Art. 13e Abs. 1)
Lektionentafel für die Oberschule
Legende:
P = Pflichtunterricht; W = Wahlunterricht
a) Eines der Fächer muss gewählt werden (Wahlpflicht).
b) Abweichung zulässig nach Massgabe von Art. 11 Abs. 3.
c) Wahlunterricht (z.B. Stütz- und Förderkurse sowie Lernbegleitung auf der 1. bis 3. Stufe, Chorgesang, Schulorchester, Schultheater, Sport, Technikförderung, Hausaufgabenhilfe); islamischer Religionsunterricht.
d) Es ist mindestens so viel Wahlunterricht zu belegen, bis die minimale Schülerlektionenzahl pro Woche erreicht ist.
e) Wird in andere Fachbereiche integriert.
f) Kompetenzen und Inhalte verschiedener Fächer können im Rahmen von Art. 13e Abs. 3 Bst. a in Projektunterricht zusammengeführt werden.
g) Kompetenzen werden zusätzlich in andere Fächer integriert.
Anhang 5
(Art. 13e Abs. 1)
Lektionentafel für die Realschule
Legende:
P = Pflichtunterricht; W = Wahlunterricht
a) Eines der Fächer muss gewählt werden (Wahlpflicht).
b) Abweichung zulässig nach Massgabe von Art. 11 Abs. 3.
c) Wahlunterricht (z.B. Stütz- und Förderkurse sowie Lernbegleitung auf der 1. bis 3. Stufe, Chorgesang, Schulorchester, Schultheater, Sport, Technikförderung, Hausaufgabenhilfe); islamischer Religionsunterricht.
d) Es ist mindestens so viel Wahlunterricht zu belegen, bis die minimale Schülerlektionenzahl pro Woche erreicht ist.
e) Wird in andere Fachbereiche integriert.
f) Kompetenzen und Inhalte verschiedener Fächer können im Rahmen von Art. 13e Abs. 3 Bst. a in Projektunterricht zusammengeführt werden.
g) Kompetenzen werden zusätzlich in andere Fächer integriert.
Anhang 6
(Art. 13e Abs. 1)
Lektionentafel für die Unterstufe des Gymnasiums
Legende:
P = Pflichtunterricht; W = Wahlunterricht
a) Eines der Fächer muss gewählt werden (Wahlpflicht).
b) Abweichung zulässig nach Massgabe von Art. 11 Abs. 3.
c) Wahlunterricht (z.B. Stütz- und Förderkurse sowie Lernbegleitung auf der 1. bis 3. Stufe, Chorgesang, Schulorchester, Schultheater, Sport, Technikförderung, Hausaufgabenhilfe); islamischer Religionsunterricht.
d) Es ist mindestens so viel Wahlunterricht zu belegen, bis die minimale Schülerlektionenzahl pro Woche erreicht ist.
e) Wird in andere Fachbereiche integriert.
f) Kompetenzen und Inhalte verschiedener Fächer können im Rahmen von Art. 13e Abs. 3 Bst. a in Projektunterricht zusammengeführt werden.
g) Kompetenzen werden zusätzlich in andere Fächer integriert.
II.
Übergangsbestimmungen
1) Während einer Einführungsfrist von längstens vier Jahren nach Inkrafttreten dieser Verordnung darf vom neuen Lehrplan (Art. 13d) abgewichen werden, sofern:
a) inhaltliche, schulorganisatorische oder personelle Gründe einer Umstellung auf den neuen Lehrplan entgegenstehen; und
b) sich dadurch keine Nachteile für die Schüler ergeben, insbesondere hinsichtlich ihrer schulischen Laufbahn.
2) Das Schulamt bestimmt im Einvernehmen mit der Schulleitung, in welchen Bereichen die einzelne Schule vom neuen Lehrplan abweichen darf.
3) Im Schuljahr 2019/20 gilt auf der dritten Stufe des Gymnasiums Folgendes:
a) Für das Fach Latein stehen vier Wochenlektionen zur Verfügung.
b) Das Fach Medien und Informatik wird nicht geführt.
III.
Aufhebung bisherigen Rechts
Die Verordnung vom 23. März 1999 über den Lehrplan für den Kindergarten, die Primar- und Sekundarschulen, LGBl. 1999 Nr. 82, in der geltenden Fassung, wird aufgehoben.
IV.
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. August 2019 in Kraft.

Fürstliche Regierung:

gez. Adrian Hasler

Fürstlicher Regierungschef